Reise nach Santo Domingo in Ecuador vom 05.05.2017 – 14.05.2017

 

Am Freitag, 05.05.2017 ging die Reise nach Ecuador los. Wir,  Ralf und ich flogen zusammen mit meinen Eltern Rosa und Dieter Schmich um 7 Uhr in Frankfurt los.  Für meine Eltern war es mittlerweile die 11. Reise nach Santo Domingo. Für uns die erste.  Wir wollten uns dort von meinen Eltern die ganzen Einrichtungen zeigen lassen, die dort von uns unterstützt werden, da wir die Stiftung in Zukunft weiterführen. Nach einem kurzen Zwischenstopp in Amsterdam landeten wir um 16 Uhr (Ortszeit Ecuador, MEZ 9 Uhr) in Quito. Dort holte uns ein Fahrer des Bischofs Bertram Wick ab und nach weiteren drei Autostunden kamen wir in Santo Domingo im Bischofshaus an.

Bischof Bertram und seine Angestellten begrüßten uns sehr herzlich. Nach einem Abendessen fielen wir dann todmüde ins Bett, mit dem Wissen, dass unser Programm am nächsten Tag um 10 Uhr starten würde.

Nach einem tollen Frühstück kamen alle Patenkinder (ca. 20) mit ihren Eltern  ins Bischofshaus. Sie wurden einzeln aufgerufen und stellten sich vor – Alter, Schulklasse, Berufswunsch. Danach bekamen sie alle einen kleinen Geldbetrag, den sie für sich verwenden sollten. Die Kinder sind je nach Erziehung sehr unterschiedlich. Manchmal bedankten sie sich selbst, oft übernahmen das aber die Mütter. Die Eltern sind sehr dankbar für die monatliche finanzielle Unterstützung für die Schulausbildung ihrer Kinder, ohne die sie nicht die Materialien für die Schule bezahlen könnten. Da ein Kind bereits mit der Schulausbildung fertig war, wurde ein neuer Junge für die Unterstützung mit aufgenommen.

Um 15 Uhr war die Abfahrt zur Agnus Dei Gemeinde. Das ist eine deutsche, streng katholische, Gemeinschaft, die sich vor über 20 Jahren im Regenwald niedergelassen hatte. Sie bauten kleine Häuschen, eine Kapelle, einen Gemeinschaftsraum, Küche, Bäckerei usw.

Dort feierten wir mit ihnen die erste deutsche Messe in Santo Domingo. Diese sollte ab jetzt alle vier  Wochen wiederholt werden. Danach wurden wir von der Leitern der Gruppe, Samuel und Judith, noch zum Essen eingeladen.

 

Am Sonntag feierten wir in der Kathedrale die Bischofsmesse mit. Die Kirche war um halb 12 sehr gut gefüllt, obwohl bereits um halb 8 und um halb 10 schon eine Messe war. Die Lieder in der Kirche wurden von den Gläubigen meist mit Klatschen begleitet, was in Deutschland unvorstellbar wäre. Danach gab es vor der Kathedrale ein Kirchweihfest, an dem wir als Ehrengäste teilnehmen durften. Dort wurden Personen geehrt, die am Aufbau der  Kathedrale maßgeblich beteiligt waren. Zwischendurch gab es immer wieder Aufführungen verschiedener Gruppen, die mit Tanz- und Showeinlagen das Publikum erfreuten.

Um 15 Uhr machten wir mit Schwester Teresita einen Stadtbummel. Wir besichtigten die alte Kathedrale und schlenderten über den riesigen Markt, der täglich stattfindet. Leider hat die Stadt sehr wenig Sehenswürdigkeiten und deshalb gibt es auch nur sehr wenige Touristen.

 

Montagsmorgens wurden wir von Schwester Teresita abgeholt. Ihre Schwester war dabei, da diese 100 Familien in den Armenvierteln betreut. Dort ging auch unser Weg hin, da wir uns bei fünf Familien die neuen Dächer anschauen wollten, die durch die Hilfe der Stiftung installiert wurden. Man muss sich nämlich vorstellen, dass es in Santo Domingo fast täglich regnet und die ärmsten Menschen keine wasserdichten Dächer haben. Dadurch wird natürlich in den Hütten alles nass und die Feuchtigkeit bleibt immer bestehen. So wurden im letzten Jahr bei den ersten 25 Familien die Dächer renoviert. Während des Besuches bei den Familien konnten wir feststellen, dass dadurch die Hütten viel trockener und dadurch auch wohnlicher wurden. Die Familien, die teilweise mit acht oder mehr Personen in den Hütten leben, waren uns sehr dankbar. Bei der ersten Familie fiel uns gleich ein 14-jähriges Mädchen auf, das schon eine fünfmonatige Tochter hatte. Solche Schicksale gibt es dort natürlich öfters, aber wenn man direkt mit einem konfrontiert wird, macht  das schon traurig. Mädchen werden dort oft sehr jung missbraucht und können sich nicht wehren. Mittlerweile kümmert sich Schwester Teresita verstärkt um das Mädchen mit ihrem Kind. Schwester Teresita wurde von der Stiftung zusätzliches Geld zugesagt, damit weitere Familien mit neuen Dächern versorgt werden können

 

Danach fuhren wir in eine Schule, die Pater Martin, den es seit vier Jahren nach Ecuador verschlagen hat, als Direktor führt. Vorher war er viele Jahre in Chile als Pfarrer und Sozialarbeiter eingesetzt. Er ist der Chef von zwei Schulen mit jeweils  600 bis 800 Schülern. Unter anderem gibt es dort auch zwei Klassen für Schüler, die trotz höherem Alter noch nie eine Schule besucht hatten und jetzt mit vielleicht 14 oder 15 mit dem lesen und schreiben anfangen. Weiterhin gibt es auch einen kleine Computerraum, in denen die Schüler mit Lernprogrammen auf dem PC ihr Wissen vergrößern können.

Schließlich fuhren wir ins „Casa Hogar de Jesus“, ein Jungenkinderheim, das von Schwester Teresita geführt wird. Die Anlage ist sehr sauber und gepflegt und es wird auch viel Obst und Gemüse zur Selbstversorgung angebaut. Es gibt verschiedene Tiere, Spielplätze und Spielräume. In den einzelnen Häusern leben sechs bis acht Jungs mit ihrer Erzieherin. Vor der Schule müssen sie die Betten machen und die Zimmer aufräumen. Danach ist eine kurze Messe. Auch für ihre Wäsche sind die älteren Kinder selbst verantwortlich. Nach einem gemeinsamen Mittagessen erwartete uns noch eine Überraschung der Kinder. Sie hatten eine Trommelaufführung einstudiert. Mit Holzstäben trommelten sie auf  Plastikeimern, Kanistern und Plastiktonnen, geführt von einem kleinen „Dirigenten“, der mit den Füßen und den Händen den Takt angab. Sowie die Jungs als auch wir hatten viel Spaß dabei.

Als nächstes besuchten wir drei Ordensschwestern in ihrem Haus. Dabei waren auch Schwester Gladys und Schwester Rosalia, die meine Eltern schon lange kennen. Sie betreuen ebenfalls arme Familien und versorgen diese mit Essen und Trinken. Sonntags laden sie auch die Kinder dieser Familien zu sich ein, um zu spielen und zu lernen. Oft sind es bis zu 100 Kinder, die diese Möglichkeit wahrnehmen.

 

Am Dienstag besuchten wir verschiedene Projekte der FASCA, die unter der Leitung von Pater Euclides stehen. Zuerst fuhren wir ins Lebenszentrum, eine Organisation, die junge Mütter mit ihren Babys aufnimmt, eine Zeitlang betreut, ihnen Tipps zur Ernährung und Pflege ihrer Kinder gibt und diese auch ärztlich versorgt. Meist bleiben die Mütter mit ihren Kindern ein bis drei Monate. Dort befindet sich auch ein Physiozentrum, in dem behinderte Kinder ein bis dreimal die Woche behandelt und therapiert werden. Es ist eine reine Tagesstätte, d. h. die Kinder werden von ihren Eltern gebracht und nach der Behandlung wieder abgeholt. Es gibt sowohl schwerstbehinderte Kinder als auch solche, die nur zur Korrektur eines Sprachfehlers in das Zentrum kommen.

Danach besuchten wir zwei Häuser, die nach den Namen zweier deutscher Freiwilliger genannt wurden, die vor vier Jahren in Santo Domingo ein soziales Jahr gemacht hatten und kurz vor ihrer Abreise nach Deutschland dort bei einem Busunfall ums Leben gekommen sind. Die Namen sind, Casa Luca und Casa Annette. In beiden Häusern wohnen Kinder, die nicht bei ihren Eltern bleiben konnten. Sei es deswegen, dass die Eltern im Gefängnis sitzen, Drogen nehmen, sich prostituieren oder die Kinder schlagen. Im Casa Luca sind die älteren Kinder untergebracht, die teilweise schon ihre ganze Kindheit dort verbracht haben. Im Casa Annette leben die jüngeren Kinder und Babys. Zwei Babys wurden frisch in das Heim gebracht. Sie wurden beide von ihren Müttern ausgesetzt und zufällig von jemandem gefunden. Da sie erst wenige Monate alt sind, werden sie zur Adoption freigegeben.

Weiter ging es auf eine Finca, um als Gäste bei der Einweihung und Segnung  eines Reitplatzes dabei zu sein. Dort gibt es ein Reitprogramm für behinderte Kinder, die durch die Nähe und das Reiten des Tieres viel ruhiger und entspannter werden. Pater Euclides hatte alle betroffenen Eltern mit ihren Kindern dazu eingeladen, die Segnung des Reitplatzes mit zu erleben.

Schließlich wurden wir von Pater Euclides noch zum Mittagessen eingeladen, wo doch so manches interessantes Gespräch geführt wurde. Auch Pater Euclides wurde weitere Hilfe  für eine Dachkonstruktion in einem Kinderheim zugesagt.

Der nächste Halt war das Altenheim. Momentan leben 34 Menschen dort. Das sind Menschen, die zum Teil von ihren Kindern einfach dort abgegeben wurden, weil Sie diese nicht mehr versorgen wollten. Das Heim ist sehr gut geführt, aber leider zu klein, um weitere alte Menschen auf zu nehmen . Wir besuchten sowohl den Männertrakt als auch das Frauenhaus. Leider geht es manchen dort gesundheitlich sehr schlecht, dass sie  nicht mehr am Gemeinschaftsleben und an kleineren Arbeiten teilnehmen können.

Am Mittwoch fuhren wir um 11 Uhr in das Valle Feliz. Das ist ein Mädchenkinderheim, das von Schwester Carmela geführt wird. Auch hier ist die gesamte Anlage gut gepflegt, sauber und kinderfreundlich. Es gibt verschiedene  kleine Häuschen, in denen jeweils drei bis sechs Kinder mit ihren Betreuerinnen leben. Manchmal werden auch kurzfristig junge  Mütter aufgenommen, die noch keine Bindung zu ihren Kindern entwickelt haben. Es wird dort versucht zu erreichen, dass die Mutterliebe wächst und das Kind nicht im Heim bleiben muss. Es ist sowohl hier als auch im Jungenkinderheim das Ziel, die Kinder wieder zu ihren Familien zurückzubringen und wieder einzugliedern. Sofern die Eltern bekannt und auch bereit sind, die Kinder wieder aufzunehmen, werden sie noch ein bis zwei Jahre von den Kinderheimen betreut, um die familiäre Zusammenführung zu erleichtern. Natürlich gibt es auch Eltern, die nicht gefunden werden oder solche, die die Kinder nicht zurückwollen. Einfach unbegreiflich.

Nachmittags ging es an die Universität von Santo Domingo. Hier wurden durch die Stiftung verschiedene Stipendien vergeben, damit die Studenten sich ein Auslandssemester oder Auslandspraktikum leisten können. Sechs dieser Studenten stellten sich und ihren Studiengang vor und bedankten sich für die Unterstützung, ohne die sie sich all dies nicht hätten leisten können. Alle betonten auch in ihren Reden, dass sie ihr Wissen dafür benutzen wollen, dass es in ihrem eigenen Land Ecuador aufwärts geht.

Danach besuchten wir  noch den botanischen Garten, mit all seinen Bäumen, Blüten, Pflanzen, Früchten und auch Tieren, der uns sehr beeindruckt hat.

Am nächsten Tag  fuhren wir mit Bischof Bertram und zwei seiner Schwestern nach Colonche. Das ist die alte Heimat des Bischofs, wo er seine Priesterstelle hatte. Dieser Ort ist am Pazifik und wir mussten ca. sieben Stunden fahren, bis wir dort angekommen waren. In seinem alten Pfarrhaus begrüßten uns drei Schwestern, die uns jetzt zwei Tage sehr gut versorgten.

Am Samstagmorgen fuhren wir Richtung Pazifik, der so zwanzig Minuten entfernt war. Unterwegs besuchten wir die Schule in Colonche. Dort ist eine der Schwestern Konrektorin. Weiter ging es an einem Stausee vorbei, der die Gegend mit Wasser versorgt. Hier gibt es jedoch jetzt ein großes Problem. Der Stausee ist mit vielen Algen bedeckt, die sich immer weiter ausbreiten. Dadurch besteht die Gefahr, dass der See mangels Luft erstickt und dadurch das Wasser schlecht wird. Die Algen müssen dringend abgetragen werden.

Schließlich besuchten wir noch die Kirche „Fatima“, die auf einem Hügel steht, auf dem man einen herrlichen Blick auf das Meer und die Landschaft hat.

Zum Schluss fuhren wir  ans Meer, wo wir uns den Rest des Tages aufhielten und uns ausruhten.

Am nächsten Tag kauften wir noch Pflegeartikel der Linie „Coloncheline“. Da sind Aloe Vera Produkte, die im Haus des Bischofs in Colonche von einer Schwester hergestellt werden. Dazu gibt es in der Nähe des Hauses  riesige Aloe Vera – Felder. Es gibt Cremes, Shampoo, Seife und noch vieles mehr. Den Verkauf dieser Produkte in Europa läuft über die Schweiz. Dafür verantwortlich sind die Schwester des Bischofs und ihr Mann. Durch den Aufbau dieser Firma in Colonche hat der Bischof  viele Arbeitsplätze geschaffen.

Mittags wurden wir in Colonche abgeholt und wieder nach Santo Domingo gebracht. Die Fahrten waren zwar jeweils sehr lang und anstrengend, aber wir haben einen tollen Einblick über ganz Ecuador bekommen. Es ist ein grünes Land, mit vielen Pflanzen, Bäumen und Tieren. Durch den Regen ist es sehr fruchtbar und alle Pflanzen gedeihen prächtig.

Sonntagsmorgen fuhren wir, nach einigen Abschiedsbildern und Verabschiedungen,  um 10 Uhr wieder nach Quito , da unser Flieger um 16 Uhr startete.

Nach insgesamt 28 Stunden Fahrt, Flug und Warten am Flughafen landeten wir dann Montagsabends um 17 Uhr in Frankfurt und waren um 19 Uhr wieder zuhause in Dossenheim.

 

Die Erlebnisse dieser Reise waren enorm beeindruckend. Die ersten Tage wussten wir gar nicht, wie wir das in unserem Kopf alles verarbeiten sollten. Das Elend und die Ungerechtigkeit machten uns sehr nachdenklich. Die kirchlichen  Sozialeinrichtungen mit ihren Leitern, Mitarbeitern und Unterstützern waren in allen Belangen bewundernswert. Ohne die Kirche würden in diesem Land, wahrscheinlich in ganz Südamerika, die armen Leute keine Chance im Leben haben. Die Priester und Schwestern sind dort vor allem Sozialarbeiter, die sich um das arme Volk, insbesondere um die Kinder kümmern. Sie sind rund um die Uhr für ihre Schützlinge erreichbar und vollbringen wirklich wahre Wunder. Auch Bischof Bertram ist ein Mann des Volkes, dem die Menschen am wichtigsten sind und den diese auch lieben. Er ist ein Mensch, wie Du und ich. Wir freuen uns auf alle Fälle darauf, in zwei Jahren , dieses Land und alle einzigartigen Menschen, die wir dort kennengelernt haben, wieder zu treffen

 

Leider mussten wir zwei Tage nach unserer Rückreise erfahren, dass unser Bischof Stehle in seinem Pflegeheim in Konstanz nach langer schwerer Krankheit am 16.05.2017 im Alter von 90 Jahren verstorben war. Die Eucharistiefeier und die Beisetzung erfolgte am Freitag, 26.05.2017 in Herdwangen, dem Heimatort von Bischof Stehle. Wir werden ihn immer in Erinnerung behalten.