Weihnachtsbrief                                                                                   1. Advent 2013

 

 

 

Liebe Bischof Stehle Freunde,

 

auf einer unserer Sozialreisen haben wir an einem Wohnhaus folgenden Spruch gelesen:

 

Dies Haus ist mein und doch nicht mein,

wer vor mir war, s‘ war auch nicht sein,

wer nach mir kommt, muss auch hinaus,

drum sag mein Freund, wem ist dies Haus?

 

Dieser Spruch enthält sehr viel Wahrheit und hat uns etwas nachdenklich gestimmt.

 

In unserem Reisebericht im Juni dieses Jahres, haben wir Ihnen schon sehr viel über die Menschen und Einrichtungen in Santo Domingo de los Tsachilas berichten können. Nach dem Tode von Bischof Wilson Moncayo, dem Nachfolger von Bischof Stehle, wurde Bischof Julio Teran Dutari als Apostolischer Administrator in der Erzdiözese von Santo Domingo eingesetzt. Wir haben ihn gebeten, uns ein Vorwort zu unserem Weihnachtsbrief zu schreiben:

 

Das Geheimnis von Weihnachten leuchtet als Menschwerdung Gottes. Es zeigt uns das Göttliche und das Menschliche auf eine ernste und doch einfache Weise: In der Beziehung zwischen einer Mutter und ihrem Kind. Dadurch hat Gott eine menschliche Familie. Dadurch hat die Menschheit einen Aufbruch auf universelle Familie hin.

 

Von Anfang an hat die Stiftung Bischof Emil Stehle in diese Richtung gearbeitet. Sie wollte eine Familie werden: Eine Familie von Freunden, Verwaltern, Förderer und Menschen guten Willens, die sich unter dem Namen von Bischof Stehle und zur Pflege seines Werkes in Lateinamerika, ganz besonders in Santo Domingo in Ecuador, zusammentreffen.

 

Seit über 20 Jahren gibt es die Brücke der Nähe und Zusammenarbeit zwischen Menschen in Deutschland und Menschen in Ecuador. So begann ein starker Austausch von materiellen und spirituellen Gütern. So ist die Solidarität und die Freude am gegenseitigen Kennenlernen vieler Brüder und Schwestern gewachsen.

 

Seit anderthalb Jahren bin ich als Apostolischer Administrator in dieser Diözese tätig. So habe ich die Gnade gehabt, die geistige Erbschaft von Bischof Stehle zu empfangen und eine alte Verbindung mit der deutschen Kultur und mit der Kirche deutschsprachigen Raumes zu erneuern. Nach meinem Studium in Innsbruck und München durfte ich, als Ekuadorianer, Bischof Stehle hier in Südamerika kennenlernen. Wer hätte geahnt, dass ich sein Werk nach vielen Jahren in etwa weiterführen würde!

 

So bin ich mit der Stiftung in Kontakt gekommen und dem Ehepaar Rosa und Dieter Schmich freundlich begegnet. Dadurch öffnet sich die dankbare Beziehung zu Euch allen, liebe Freunde und Gönner der Bischof Stehle Stiftung. Vergelt’s Gott für Eure Hilfe und Euren Beistand! Unsere Diözese betet für Euch und Eure Anliegen.

Und ganz besonders: So viele arme Leute, so viele Kinder, Jugendliche und alte Menschen, die in Not sind, freuen sich zu Weihnachten über Eure Nähe und Großzügigkeit,

 

Gesegnete Weihnachten an Euch alle!

 

                                                           Bischof Julio Teran Dutari

                                                           Apostolischer Administrator

 

Viele Einrichtungen, wie das Straßen- und Waisenkinderheim, Altenpflegeheim und Lebenszentrum, Stipendien an die Universität, Zuschüsse für Medikamente, Gutscheine für Arztbesuche, Schulmaterial, Messstipendien, Unterstützung von Priestern, denen das Lebensnotwendige fehlt, Dachdeckerprogramme in den Armenvierteln und sonstige Hilfen, die während des Jahres angefallen sind, wurden durch Ihre Spenden unterstützt. Der Gesamtbetrag beläuft sich dieses Jahr auf ca. € 90.000,00.

Nochmals herzlichen Dank für diese große Hilfe.

 

Dieses Jahr möchten wir einmal von zwei Einrichtungen, dem Straßen- und dem Altenpflegeheim, etwas mehr berichten.

 

Im Straßenkinderheim Casa Hogar de Jesus befinden sich ca. 65 Kinder im Alter von

3 – 15 Jahren. Der größte Teil der Kinder kommt aus zerrüttenden Familien. Oft sitzt ein Teil der Familie im Gefängnis oder ist Drogen- oder Alkoholabhängig. Sehr viele Kinder werden von der Polizei auf der Straße eingesammelt und in das Heim gebracht. Nehmen wir als Beispiel den kleinen Jungen Bryan: Der Vater alkoholsüchtig und die Mutter hatte sich nicht um das Kind gekümmert. Er wurde von der Polizei auf der Straße aufgelesen, wo er tagelang geschlafen hatte und sich mit Essensresten aus dem Müll den Hunger gestillt hatte. Bryan ist zehn Jahre alt und kann weder lesen noch schreiben. Für uns beginnt jetzt die medizinische und psychologische Betreuung des Kindes. Er muss Vertrauen in unsere Gemeinschaft gewinnen und sich wohl zu fühlen. Wir werden auch eine Form finden, ihm das Lesen und Schreiben beizubringen, denn ein Schulabschluss ist immer das Wichtigste in seinem weiteren Leben.

 

Ein anderer Fall ist der dreijährige Jhon Jairo, der auch von der Polizei in das Heim gebracht wurde. Der Vater sitzt wegen der Vergewaltigung einer Minderjährigen im Gefängnis und von der Mutter haben wir keine Adresse. Wir wissen nur, dass sie 18 Jahre alt ist und verlobt sein soll. Mit 13 Jahren bekam sie ihr erstes Kind, das zweite durch Folgen einer Vergewaltigung und danach mit 15 Jahren Jairo, um den sie sich aber nie kümmerte. Wir versuchen ihn jetzt im Heim aufzuziehen, um ihm ein denkbar gutes Leben zu ermöglichen. Auch hier ist der Kindergarten, die Schule mit Abschluss und die Ausbildung das Wichtigste.

 

Eines unserer großen Sorgenkinder ist das Alten- und Altenpflegeheim in Santo Domingo. Hier werden Menschen betreut, die weder Verwandte noch irgendwelche Freunde haben, die für sie sorgen können. Bei unserem letzten Besuch merkte man deutlich, wie dankbar die Menschen für jede Kleinigkeit sind, die man ihnen entgegenbringt. Dieses Heim wird von italienischen Schwestern mit viel Liebe geführt. Viele der alten Menschen helfen noch beim Obst- und Gemüseanbau mit und die Wäsche und Kleidung wird noch in Eigenarbeit hergestellt. Weiter werden auch Freizeitprogramme erstellt, um den Menschen die Tage zu verschönern.

 

Dank Ihrer Unterstützung können wir das ganze Jahr über den Menschen helfen, um mit dem Notwendigsten ihr Leben etwas zu erleichtern.  Danken möchten wir auch dem Perukreis aus Vaterstetten, den Caritasgruppen aus Südtirol, der Missionsstiftung aus Villingen-Schwenningen und vielen anderen Gruppen, die ihren Beitrag zur Unterstützung der Einrichtungen beigetragen haben.

 

Bleiben Sie uns weiterhin, auch Bischof Stehle und einem seiner besten Freunde, dem verstorbenen Pater Dr. Paul Fink, zu Liebe, in Freundschaft verbunden.

 

Bischof Stehle geht es den Umständen entsprechen gut, Wir haben ihn vor 14 Tagen besucht und ihn über den Weihnachtsbrief informiert.

 

Wir wünschen Ihnen eine frohe Adventszeit, gesegnete Weihnachten und ein gesundes, zufriedenes und glückliches neues Jahr.

 

Ihre Familie Rosa und Dieter Schmich

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dieter Schmich

(Vorstand der Stiftung)

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