Weihnachtsbrief                                                                                   1. Advent 2014

 

Liebe Freunde und Gönner der „ Bischof Emil Stehle Stiftung“

 

Franz von Sales hat einmal gesagt:

 

„Ein Gramm Beispiel gilt mehr

als ein Zentner guter Worte.“

 

 

Wir haben dieses Jahr unseren Herrn Pfarrer Baier gebeten, uns ein Vorwort zu unserem Weihnachtsbrief zu schreiben:

 

„Alle Jahre wieder…“ beginnt eines der bekanntesten Weihnachtslieder, dessen Text 1837 entstand.

„Alle Jahre wieder…“ erhalten sie einen Weihnachtsbrief, den Rosa und Dieter Schmich stets mit viel Liebe verfassen und in dem die beiden von der vielfältigen Arbeit der Bischof Emil Stehle Stiftung berichten.

Auch im aktuellen Weihnachtsbrief erzählen Sie eindrucksvoll und bewegend von all dem, was durch die Bischof Emil Stehle Stiftung 2014 in Ecuador geleistet wurde und wie diese dort, nicht zuletzt aufgrund Ihrer großherzigen Unterstützung, zum Segen für viele werden konnte.

Der aktuelle Weihnachtsbrief benennt viele Beispiele der Hilfe und erfüllt so die ebenfalls jährlich angefügten nüchternen Vermögenszahlen der Stiftung mit Leben. Nur so hat man vor Augen, dass durch das Stiftungsvermögen konkret den Menschen geholfen wird, die uns Schwestern und Brüder sind.

Ich danke Rosa und Dieter Schmich für den Weihnachtsbrief und für Ihren unermüdlichen und unentgeltlichen Einsatz für die Menschen in Ecuador. Ich hoffe sehr, dass sie dabei auch weiterhin  Erfüllung und innere Freude erfahren dürfen.

Schließlich danke ich auch Ihnen, im Namen des ganzen Kuratoriums der Bischof Emil Stehle Stiftung, ganz herzlich für Ihre Gaben und Ihr Gebet.

In der Hoffnung, dass Sie der Stiftung auch im neuen Jahr ideell und materiell verbunden bleiben und ihre Arbeit unterstützen, wünsche ich Ihnen allen ein gesegnetes und friedvolles Weihnachtsfest und ein gutes neues Jahr 2015.

 

Ihr Pfarrer

Ronny Baier

(Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung Bischof Emil Stehle)

 

Zuerst möchten wir allen Pateneltern, Freunden und Gönnern sowie verschiedenen Stiftungen, Vereinen und Organisationen für die großzügigen Unterstützungen während des Jahres recht herzlich danken. Damit konnten wir wieder vielen Kindern und hilfsbedürftigen Menschen Geborgenheit, Brot, Schule, Ausbildung und eine gute Zukunft gewähren.

Dieses Jahr möchten wir Ihnen einmal einen Einblick über den Staat Ecuador, die Stadt Santo Domingo de los Tsachilas, Bischof Stehle und den bereits verstorbenen Pablo Fink aus Südtirol und die kirchlichen und sozialen Einrichtungen geben.

 

Ecuador, das Land am Äquator, wo jeden Morgen um 06.00 Uhr die Sonne aufgeht und abends um 18.00 Uhr untergeht, ist in Südamerika ein kleines Land, das an Peru und Kolumbien angrenzt. Offiziell hat es, einschließlich der Galapagos Inseln, eine Fläche von 283.564 km2 und ungefähr 15,74 Millionen Einwohner. Der Vulkan Cotopaxi ist mit seinen 5.897 Metern der höchste noch aktive Vulkan der Erde. Ecuador vermittelt, auf vergleichsweise kleinem Gebiet, einen umfassenden Eindruck von der landwirtschaftlichen Vielfalt, dem breiten klimatischen Spektrum und der abwechslungsreichen Flora und Fauna des südamerikanischen Kontinents. Wichtige tropische Anbaupflanzen sind Kakao, Baumwolle, Reis, Zuckerrohr und Bananen. Im Hochland werden Weizen, Kartoffeln, Hülsenfrüchte und Obst angebaut. Die Hauptstadt Quito liegt in 2.850 Meter Höhe und hat ungefähr 1,5 Millionen Einwohner.

 

Santo Domingo de los Tsachilas liegt am Rande des Regenwaldes auf 655 Meter über dem Meeresspiegel. Die registrierte Einwohnerzahl soll bei 238.000 liegen.

Das Dorf hatte vor 100 Jahren nur 500 Einwohner. Die heutige Zahl schätzt man auf ca.  350.000 bis 500.000. Um die erzeugten Waren besser transportieren zu können, baute man 1940 eine Straße vom Hochland durch Santo Domingo de los Tsachilas bis nach Guayquil an den Pazifischen Ozean. Es kamen immer mehr Menschen aus dem Regenwald und anderen Siedlungsgebieten in die Stadt. Bis zum heutigen Tag fehlt aber immer noch der Bau von Wohnungen, Straßen und die Versorgung der Menschen mit Energie und gesundem Wasser. 1967 wurde Santo Domingo auf einer Fläche von 3.857 km2 als Verwaltungseinheit der Provinz Pichincha und 1987 durch die Römisch-Katholische Kirche als Präfektur eingerichtet und 1996 zum Bistum erhoben. Der erste Bischof war unser (heute emeritierte) deutsche Bischof Emil Stehle.

 

Für Bischof Stehle war es eine sehr große Herausforderung das neu geschaffene Bistum mit Liebe, Glauben und Hoffnung zu erfüllen. Durch die Hilfe von vielen kirchlichen und weltlichen Einrichtungen sowie Freunden und Gönnern, konnte er während seiner Amtszeit 40 Pfarreien, zahlreiche Kirchen und Kapellen, Schwesternhäuser, Schulungszentren, Schulen, ein Lehrerseminar, eine Universität, Waisenhäuser, ein Dorf für Straßenkinder, das erste Altersheim in der Region, eine Sozialstation für unterernährte Mütter und Kinder sowie eine Sozialstation für behinderte Kinder bauen und mit Leben erfüllen. Weiter wurde ein Caritaszentrum eingerichtet, wo verarmte Menschen Medikamenten und Gutscheine für Arztbesuche erhalten. In seiner Diözese war er auch für 78 Diözesen- und Ordenspriester, sowie ungefähr 100 Ordensschwestern verantwortlich. Ganz besonders kümmerte er sich um die Menschen in den Armenvierteln und die Colorado Indianer. Im Großen und Ganzen muss man sagen, dass er nicht nur Seelsorger, sondern auch Helfer und Baumeister in einer Person für die Diözese war. 

 

Pater Dr. Paul Fink, der leider bereits verstorben ist, wurde auch von den Kindern und Menschen in Santo Domingo immer Padre Pablo genannt. Er stammte von einem Bauernhof in Latzfons, wo er auch seine letzte Ruhestätte fand. Der Ort liegt südlich von Brixen in den Bergen westlich des Eisacktals in Südtirol. Nach seinem Theologiestudium wurde er 1964 zum Priester geweiht und nach seiner anschließenden Promotion ging er 1970 nach Südamerika, wo er bis 1983 segensreich wirkte. Nachdem er durch die Terrorgruppe „Der leuchtende Pfad“ bedroht wurde, flüchtete er unter Lebensgefahr von Peru nach Ecuador. Mit Bischof Stehle zusammen gründeten sie 1992 schließlich das Straßenkinderheim „CASA HOGAR DE JESUS  DIOCESIS“ in Santo Domingo. Zusätzlich zu seiner Funktion als Heimleiter wurde Padre Fink noch eine Pfarrgemeinde von 30.000 Seelen übertragen. Außerdem wurde er zum Koordinator der karitativen Einrichtungen in Santo Domingo bestimmt. Im September 2008 setzte eine heimtückische Krankheit seinem unermüdlichen Arbeiten, zum Wohle der Kinder und der alten Menschen, ein Ende. Das Straßenkinderheim wird seit dem Tode von Padre Fink von Schwester Theresita gut betreut und weiter geführt.

 

Seinem Nachfolger von Bischof Stehle, Bischof Wilson Moncayo, war es nur ein paar Jahre vergönnt sein Werk weiter zu führen. Er starb ebenfalls an einer unheilbaren Krankheit. Zurzeit wird die Diözese vom Apostolischen Administrator Bischof Julio Cesar Teran Dutari geführt. Auch mit Bischof Teran besteht ein gutes Verhältnis. Da er zum Teil auch in Deutschland studiert hatte, spricht er fließend Deutsch.

Vom Straßenkinderheim könnten wir sehr viele Beispiele von Kindern erzählen, welche von der Polizei oder anderen Personen ins Heim gebracht werden. Im Juli 2014 wurde Juan Carlos aufgenommen. Er ist sieben Jahre alt und kam über ein Gericht in Santo Domingo zu uns. Sein Vater ist Alkoholiker, drogenabhängig und wurde, aufgrund seiner Missbräuche, die er an seinen Kindern und seiner Ehefrau begannen hatte, zu 25 Jahre Gefängnis verurteilt. Juan Carlos  und seine Schwester litten schon, als sie sehr klein waren, unter dem Missbrauch ihres Vaters. Alles was die Kinder erzählen, ist sehr schrecklich. Da die Mutter auch drogenabhängig ist und die Oma sich nicht um die Kinder kümmert, war es der beste Weg, sie bei uns im Heim aufzunehmen. Juan Carlos muss jetzt erst einmal psychologisch betreut werden, da er seit seiner Geburt nur ein brutales und trauriges Umfeld erlebt hatte.

 

Auch um die Armenviertel in Santo Domingo hat sich der Bischof sehr gekümmert. Es gibt noch, wie zu Bischofszeiten, ein Dachdeckerprogramm, wo die Dächer von den Hütten mit neuem Wellblechbahnen gedeckt werden. Wenn man durch diese weitverzweigten Wohnvierteln geht, wo es weder Wasser noch Abwasserleitungen gibt, wo die Dächer mit Pappe, Plastik und verrosteten Blechbahnen bedeckt sind, ist es für die Bewohner eine große Freude, ein wasserdichtes Dach auf ihren Hütten zu haben. Das sind so kleine Zeichen der Hoffnung, die man damit wecken kann.

 

Die karitativen Einrichtungen werden heute von Padre Euclides geführt. Durch seine liebevolle Art versteht er es die behinderten Kinder in den Kreis der gesunden Kinder mit einzuschließen. Wenn man bedenkt, dass Eltern ihre behinderten Kinder nicht mehr wollen und sie dann anonym irgendwo ablegen, ist das schon ein schrecklicher Gedanke. Diese Kinder sammeln wir dann ein, um ihnen eine gewisse Wärme in unseren Einrichtungen zu geben. Sie werden medizinisch untersucht und ernährt und je nach Lage in Schulsysteme mit eingeschlossen. Auch die Verteilung von Medikamenten und Gutscheine für Arztbesuche gehört zu dieser Einrichtung.

 

Das Alten- und Altenpflegheim, das der Bischof gebaut hatte, ist auch ein großer Segen für Santo Domingo. Es wird von italienischen Schwestern geführt. Hier leben die Menschen, die meistens weder Verwandte noch irgendwelche Bekannten haben, die für sie sorgen können. Alle Bewohner, die in der Lage sind, werden bei täglichen Arbeiten in dem Heim mit beschäftigt. Hier wird fasst alles selbst produziert, gepflegt oder gereinigt. Die Menschen fühlen sich hier sehr wohl.

 

Die Stipendien für Studentinnen und Studenten an der Universität werden dankbar angenommen. Die Verteilung der Stipendien erfolgt über ein Dreiergremium von Personen, die diejenigen Personen auswählen, die nicht die finanziellen Möglichkeiten haben, zu studieren. Als Gegenleistung werden sie dazu aufgefordert, verschiedene Sozialarbeiten während ihrer Studienzeit an der Universität zu verrichten.

 

Die Unterhaltung der kirchlichen Einrichtungen und die Bezahlung der Pfarrer mit ihren Angestellten sind in Santo Domingo nicht einfach. Wenn sie in einem Armenviertel den Klingelbeutel herumreichen, können sie sich bestimmt vorstellen, dass nur wenige Dollar zusammenkommen. Auch hier hat Bischof Stehle durch Messstipendien, die er von Gemeinden erhalten hatte, versucht, das Leben der pensionierten Geistlichen etwas zu erleichtern.  Dieses Vorgehen versuchen wir ebenfalls weiterhin fortzusetzen, um den Priestern finanziell unter die Arme zu greifen. Also überall bewegen wir uns auf den Spuren von Bischof Stehle.

 

Es gibt noch viele Beispiele von dem weitverzweigten Netz der kirchlichen und sozialen Einrichtungen in Santo Domingo. Wir haben dieses Amt, aus Liebe zu unserem Bischof Stehle und den Menschen vor Ort angenommen und wollen es, mit Ihrer Hilfe, zum Segen der Kinder und Menschen, die weiterhin auf unsere Hilfe hoffen, weiterführen.

 

Wir wünschen Ihnen eine gesegnete Weinachten, Gesundheit und Glück im Jahre 2015.

 

 

Rosa und Dieter Schmich